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POLKA DOTS - ein Award für den Mörder

 

Inhalt:

 

Los Angeles, Stadt der Engel und ewige Traumfabrik: Eine angehende Schauspielerin wird ermordet aufgefunden. Die Begleitumstände der Tat deuten auf einen Serientäter hin. Zeugen fehlen, bis auf Jana Funke, eine junge Filmschaffende mit hellseherischen Fähigkeiten, die sich schließlich der Polizei offenbart. Ihre Visionen entlarven den aufstrebenden Hollywoodstar Jack Fraser als Täter. Ein ungewöhnlicher Fall für das Ermittlerteam um Lieutenant Frank Boyer und FBI-Agentin Marla Cross. Thriller aus dem Filmmilieu, im Perspektivenwechsel erzählt.

Hörprobe, Sprecher: HERBERT ARP (Journalist & Autor)

Leseprobe:

 

In Fraser brodelt es. Er kann das aufdringliche Pflegepersonal nicht ausstehen! Und die alte Schachtel mit dem Aussehen eines abgehalfterten Brauereipferdes, die mag er am allerwenigsten. Gerade hat sie ihn angesprochen, im üblichen süßlichen Tonfall.

Evelyn hat gesungen, haha!

Was denkt diese dumme Lucinda sich eigentlich?

Hübsches, altes Kinderlied! Fick dich!

Als ob irgendetwas an dieser Qual jemals hübsch gewesen wäre. Natürlich, er kennt den Song. Unzählige Male hat er seine Mutter jene Zeilen trällern hören, kurz nach dem Verriegeln der Kellertür. Während er selbst in der Dunkelheit hockte, zitternd, verängstigt und brutal gestraft für Belanglosigkeiten: ein vergessenes Haar in der penibel zu reinigenden Haarbürste, ein lediglich halb aufgegessenes Wurstbrot ...

»Wirklich Mrs. Grey? Evelyn hat gesungen?« Frasers Stimme klingt gerührt. »Das freut mich. Mutter ist wahrhaft ein besonderer Mensch.«

Und irgendwann bringe ich das Miststück um, fügt er in Gedanken hinzu. Für all die Fürchterlichkeiten, die sie mir angetan hat!

Während er sein bestes Lächeln generiert, durchströmem weitere Gedanken sein Hirn. Es ist wie verhext! Regelmäßig macht er sich auf in dieses unsägliche Pflegeheim, von der Absicht erfüllt, das Monster, das ihn geboren hat, zu ermorden.

Bisher ohne Erfolg.

Jedes Mal, wenn er kurz davor steht, den finalen Befreiungsschlag zu vollbringen, überkommt ihn die verdammte, irrationale Angst. Ein beklemmendes Gefühl, welches ihn wieder zu einem kleinen Jungen mutieren lässt. Hilflos, über alles bemüht, es seiner Peinigerin recht zu machen, sie friedlich zu stimmen. Dazu beseelt von der abstrusen, nie enden wollenden Hoffnung auf mütterliche Liebe plus Anerkennung.

Selbst aus dem verfickten Rollstuhl heraus, schafft Evelyn es nach wie vor, ihm das zu vermitteln, was er gern auf Ewig auslöschen will: das demütigende Empfinden absoluter Machtlosigkeit und Minderwertigkeit.

Manchmal kann Jack jene bittere Emotionen ausblenden. Sobald begeisterte Fans jubeln, völlig Fremde um Autogramme betteln oder verrückte Producer Millionen Dollar für ein paar Wochen Arbeit auf den Tisch blättern.

Aber am besten fühlt er sich immer noch, wenn er jemanden ermordet.

 

Frauen, die nichts weiter darstellen, als Stellvertreterinnen Evelyns. Es ist herrlich zu fühlen, wie viel Macht er besitzt, in dem Augenblick, wenn das Leben aus ihnen weicht, sie den letzten, verzweifelten Atemzug tun.

In diesen Momenten erlebt er die höchste Befriedigung, den Orgasmus im Kopf, die gänzliche Erfüllung.

Und ich bin doch kein Loser, Mum! Hast du gehört? Verdammt!